Zweimal im Jahr gab es großen Alarm im Bunker. Von Strausberg kamen dann General Scheibe und Oberstleutnant Reinhold mit ihrem Stab. Die blieben bis zu zwei Wochen unten im Bunker. Im Kopfbau gleich am Bunkereingang wurden ihre Mäntel und Mützen abgelegt. Die Sonderaufgabe der Wache bestand nun im Garderobendienst. Also einmal Garderobe abnehmen, tagelang "gammeln", während die Kameraden im "Dezentralisierungsraum" ihre Übungen durchführen mussten. Keiner wusste, wann die Chefs wieder hochkamen. Ich stand gerade vor Scheibes Mantel und betrachtete die dicken goldenen Raupen der Schulterstücke. Ganz plötzlich waren Schritte im Gang zu hören. Sie kamen hoch! Die Offiziere waren sofort hinter der Barriere verschwunden, um ihre Mäntel zu greifen. Da Scheibes Mantel extra hing, ich aber noch davor stand und keine Lust hatte, einen Hechtsprung zurück über die geschlossene Klappe zu machen, nahm ich seinen Mantel vom Bügel und half ihm rein. Das hatte unser Kommandeur wohlwollend zur Kenntnis genommen. Den Tag Sonderurlaub nahm ich sofort.

Fürstenwalde an der "Knatter" hat eine interessante Spree-Brücke mit einem Stahl-Rundbogen auf jeder Seite. Von unseren Vorgängern hörten wir, dass nur "die Schärfsten vom Fuchsbau" sich trauten, da rüberzugehen. Mit 10-12 Bieren sind Pfeifer und ich auch rüber. Wenn ich heute mit dem Auto dort langfahre, muß ich immer noch daran denken, was wir doch für leichtsinnige Burschen waren.
Immerhin bin ich mit 11 offenen Bestrafungen doch noch Gefreiter geworden.
Als ich 1968 entlassen wurde, begannen die Vorbereitungen für die Errichtung eines Elektrozaunes und die Wachkompanie wurde stark dezimiert.
Den Bunker hätte ich mir gerne mal von innen angesehen, aber nach der Wende habe ich den richtigen Zeitpunkt leider verpasst...
Helmut Linde
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