Vorbei an ersten Besuchern renne ich fast vorwärts und habe das Gefühl, erst gestern hier gewesen zu sein. Auch ohne Licht hätte ich mich nicht verlaufen. Zu oft bin ich hier unten in 13 Jahren lang gegangen. Von Kälte spüre ich nichts, aber die Luft ist schlecht. Es riecht nach Moder und Schimmel. Je weiter ich vordringe, um so trockener werden auch die Wände. Es ist eindeutig: Die Feuchtigkeit kam durch die Verfüllmasse rein! Im DNF-Raum die Enttäuschung : Das GVS-Schema der Nachrichtenkanäle des NVA-Fuchsbaus ist weg und erst vor Kurzem abgenommen worden! Also weiter zum Neubau. Hier die erste große Überraschung für mich: Alle Türen zum TO-01 ließen sich leicht öffnen, weil der Übergang vollkommen trocken und sauber ist. Angeblich sollte hier 1995 alles mit Braunkohlenfilterasche verfüllt worden sein. In dem Fall wäre hier aber die Welt zu Ende gewesen. Zuerst will ich wissen, wie weit das Eingangsbauwerk von der Verfüllung betroffen ist. Im Treppenhaus wird das Atmen mit jeder Stufe nach oben schwerer. Das hier überhaupt noch brauchbare Luft zum Atmen ist, sollte man nicht glauben. Wenigsten ein Bild möchte ich aber ganz oben machen. Der Weg bis zum Eingangstunnel ist frei begehbar. Nach 80 Treppenstufen sehe ich die 1995 eingezogene Ytong-Sperrwand vor mir. Die Betonbrühe ist trotzdem durch die Fugen gelaufen und auf der Treppe wie Lava erstarrt. Schnell zurück, ich bekomme kaum noch Luft. Im Vorbeigehen ein Blick in den Führungsraum: Dort Festbeleuchtung- das RBB-Team dreht hier gerade. Schnell weiter zum Dispatcher. Alles so, wie es mir Hugo vor Jahren beschrieben hatte. Fast alles ist raus, nur viel Müll blieb zurück. Trotzdem finde ich überall noch vertraute Sachen aus DDR-Zeiten: Dort ein Datenerfassunggerät DEP-81, dann ein von mir mitgebauter Computer, MIDA-32 genannt, Module, Leiterkarten und ganze Blöcke des ALMAS-Systems. Die Teile waren wohl für das Stadtmuseum zusammengesucht und dann doch nicht mitgenommen worden. Neben meinem damaligen Arbeitsplatz steht noch der verschlossene Schließfachschrank für die persönlichen VS-Dokumente. Ich überlege kurz, welches mein Fach war und was da wohl noch drin sein könnte. Aber jetzt ist keine Zeit. Noch SND-Zentrale, Fernschreiberraum und "Generalstoilette" ansehen. Im Chemikerraum hängt noch die riesige NVA-Disloziierungskarte. Ein schwarzes Fähnchen als Marker für den ZGS-14 bei Fürstenwalde und rings um Berlin die eingezeichneten Abteilungen der 41. Raketenbrigade. Bilder gemacht und weiter.
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Ein "DEP", aber nicht aus Bayern, sondern ein Datenerfassungspult aus DDR-Produktion !
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